Margarete Gräf führt uns in ihrer Autobiographie zwei Phasen der deutschen Geschichte vor Augen, von denen wir gewöhnt sind, daß sie mit peinlich-berührtem Schweigen oder erhobenem Zeigefinger besetzt sind. Die NS-Zeit und den "real existierenden Sozialismus" der ersten Jahre der DDR bis ein Jahr nach dem Mauerbau. Von ihr kommt diese ganz persönliche Schilderung ohne Entschuldigung oder gar Beschönigung. Mit viel Offenheit und Engagement läßt sie uns, "quasi mit ihren Augen", aus denen oft der Schalk blitzt, diese Zeit miterleben. Margarete Gräf präsentiert sich als starke, couragierte Frau, ohne eine sehr menschliche Schwäche zu verschweigen: ihre Liebe zu Ernst Waldbrunn, der die sonst so wortgewandte und streitbare Frau zeitweise ganz ausgeliefert ist. Insgesamt ist dieses mitreißende Buch ein echter Leseschmaus, der neben vielen Histörchen auch die Historie erzählt.
175 S. SC |