Erinnerung in Geschichte - dies ist das Leitmotiv der Autorin Eva Maria Vasiljevic, die in dem vorliegenden Buch ihre Kindheitserinnerungen der Jahre 1919-1939 beschreibt. Eva Grote wird 1919 in Halle an der Saale geboren. Ihr Vater, Louis Radcliffe Grote, ist Gelehrter, Künstler, Publizist und Arzt. Ida Anna Franziska, geborene Behrmann, Evas Mutter, ist Tochter des Direktors der Versicherungsgesellschaft 'Londoner Phönix'. So wird Eva in eine großbürgerliche Welt hineingeboren, die gleichermaßen von hoher geistiger Bildung und materiellem Reichtum geprägt ist. Nach der Zeit in Halle, in der der Vater Oberarzt an der Universität ist, folgen ab 1924 vier Jahre in Dresden. Evas Kindheit ist in der sächsischen Metropole von Freiheit und Frohsinn sowie von Kontakten zu Künstlerkreisen, mit denen die Familie regen Kontakt pflegt, geprägt. Eine ganz andere Atmosphäre begegnet Eva während ihrer ersten Internatszeit in Hildesheim. "Sitte" wird ihr hier vermittelt. Die nächste Station in Evas Entwicklung ist die renommierte Schillerschule in Frankfurt am Main. Eine Zeit erstaunlicher prägender Erfahrungen verbringt die nun 15jährige 1934 in Den Haag als Gasttochter einer Hausgemeinschaft jüdischer Emigranten. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Zwickau mit der kurzen Episode beim BDM folgt die Rückkehr nach Dresden. Im Mädchengymnasium Neustadt, das Eva bereits als Neunjährige besuchte, erhält sie eine herausragende Ausbildung in den musischen, geistigen und sprachlichen Fächern. An dieser Schule erlangt Eva auch die Abitursreife. Zudem hat sie die Möglichkeit, an den Dresdner Theatern, Opern- und Schauspielbühnen Künstlerpersönlichkeiten wie Karl Böhm, Günter Ramin, Erich Ponto und andere zu erleben. Die Kindheits- und Jugenderinnerungen Eva Grotes, die die Autorin aber bereits fortsetzt, enden mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Authentisch und wirklichkeitsnah vermittelt die Autobiographie Eva Maria Vasiljevics tiefe Einblicke in eine aus heutiger Sicht eher unbekannte Welt, die doch die Gegenwart stärker geprägt hat, als es der Öffentlichkeit bewußt sein mag. Der eindrückliche Erzählstil der Autorin besticht durch die Schilderung einzelner Begebenheiten, die wie lebende Bilder aneinandergereiht das Licht einer vergangenen Epoche neu aufleuchten lassen.
96 S. SC |